Klärendes zu meiner Bestellung zum Schulleiter

16. Jul. 2009

 

1) Warum arbeite ich als Vizebürgermeister der Stadtgemeinde Tulln zusätzlich auch noch als Lehrer beziehungsweise in Zukunft als Schulleiter.

In der Stadtgemeinde Tulln sind hauptberufliche Politiker weder vorgesehen - noch erwünscht! Deshalb üben alle Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderates ihr poltisches Amt zusätzlich zu ihrem erlernten bzw. angestammten Beruf aus (außer sie sind bereits in Pension). Das hat den Vorteil, dass alle Mandatare die Sorgen und Wünsche der Menschen in ihrer eigenen Arbeitswelt live miterleben und dadurch den zu Recht viel zitierten "Kontakt zur Basis" nicht verlieren. Je mehr Berufsansichten auf diese Weise durch die Politiker im Stadtparlament repräsentiert werden, desto vielfältiger und praxisnäher  ist die Basis der Entscheidungen des Gemeinderates.

Andererseits kann es sich im Regelfall auch kein Lokalpolitiker leisten, seinen Hauptjob aufzugeben, denn eine politische Laufbahn kann oft plötzlich zu Ende gehen bzw. ist bisweilen auf eine Legislaturperiode beschränkt. Eine Absicherung für Lokalpolitiker, die ihre politische Funktion verloren haben oder aufgeben, gibt es nicht - weder sind Kündigungsfristen, Entgeltfortzahlungen, Abfertigungen oder Pensionszahlungen möglich. Ein Lokalpolitiker erhält kein Gehalt sondern eine - seit März allerdings deutlich erhöhte - Aufwandsentschädigung (12mal im Jahr). Wählkämpfe müssen größtenteils aus eigener Tasche bezahlt werden. Beispielsweise hat mich der Nationalratswahlkampf 2008 (nachweislich!) 16.000 Euro sowie das Mandat gekostet (dennoch nochmals ein herzliches Danke für 6.500 Vorzugsstimmen).

 

2) Ist es zeitlich möglich, eine Führungsposition in der Gemeinde (wie z.B. Vizebürgermeister) sowie die Schulleiterfunktion gleichzeitig auszuüben?

Ja, davon bin ich überzeugt, da sich im Wesentlichen nur wenig an der derzeitigen bewährten Situation verändert. In der Schule gebe ich meine bisherige volle Lehrverpflichtung (inkl. Stundenvorbereitungen, Verbesserungen zu Hause etc.) auf - stattdessen übernehme ich die Managementfunktion. Ich werde im Regelfall tagsüber in der Schule sein und ab dem späteren Nachmittag bis in die späten Abendstunden zu Besprechungen in die Gemeinde bzw. zu offiziellen öffentlichen Terminen wechseln (diese sind häufig auch an Wochenenden). In der Gemeinde wird sich zeitlich gar nichts ändern, denn bereits jetzt funktioniert das System wie folgt sehr gut: Von der Politik haben die Impulse zur Steuerung der Gemeinde auszugehen, während für die Umsetzung der Vorgaben ein hochqualifizierter Mitarbeiterstab im Verwaltungsdienst - mit einem Stadtamtsdirektor an der Spitze - zur Verfügung steht (die Verantwortung für die erfolgreiche Umsetzung liegt jedoch wieder bei der Politik).

Damit alle Kollegen des Gemeinderates neben ihrem Beruf Zeit für die Gemeindetermine haben, finden sämtliche Ausschussberatungen sowie Sitzungen des Gemeinde- und Stadtrates am Abend statt. Immer wieder notwendige Fachbesprechungen während des Tages können nur nach Maßgabe freier Termine der zuständigen Mandatare vereinbart werden. Zusätzlich findet jeden Dienstag (von 8.30 bis 11.00 Uhr) und Donnerstag (zw. 17.30 bis 19.30 Uhr) ein Jourfix statt an dem der Bürgermeister, Vizebürgermeister, Planungsstadtrat sowie Stadtamtsdirektor und Abteilungsleiter teilnehmen.

 

3) Der Schulerhalter der HAK/HAS Tulln ist die Stadtgemeinde. Wäre ich in meiner Doppelrolle als Schulleiter und Vizebürgermeister mein eigener Chef?

Nein, die Stadtgemeinde ist zwar für die Ausrüstung der Schule zuständig, nicht jedoch für  die Lehrer und für den Direktor (dieser wird in letzter Konsequenz von der Frau Bundesministerin bestellt). Ich erhalte als Schulleiter mein Gehalt vom Bund und nicht von der Gemeinde. Ich bin gegenüber dem Landesschulrat für NÖ sowie gegenüber dem Unterrichtsministerium weisungsgebunden.

 

4) Wie wird überprüft, dass ich als Finanzstadtrat die HAK/HAS gegenüber den anderen Tullner Schulen hinsichtich der Ausstattung nicht bevorzugen werde?

Größere Neuanschaffungen bedürfen der Zustimmung des Stadt- bzw. Gemeinderates und unterliegen dadurch automatisch einer politischen Kontrolle. Die laufende Gebarung kann vom SPÖ-angeführten Prüfungsausschuss jederzeit geprüft werden. 

 

5) Hermann Helm, Amtsführener Präsident des LSR für NÖ, hat festgestellt, dass ich mich im Zuge des Bewerbungsverfahrens als "Bestqualifizierter herausgestellt habe" (siehe NÖN vom 15.7.2009). Wie ist es dazu gekommen?

Das Unterrichtsministerium hat die Stelle am 26. Mai 2009 öffentlich österreichweit ausgeschrieben. Für den Ausschreibungstext klicken Sie hier.

Auf Basis dieser Ausschreibung musste jeder Bewerber im Anhang zur offiziellen Bewerbung einen umfangreichen Fragebogen ausarbeiten. Für meine Bewerbungsunterlagen klicken Sie hier.

Am 1. Juli 2009 fand für alle Bewerber (insgesamt waren es vier, allesamt von der HAK/HAS Tulln) ein Hearing statt. Im Beurteilungsteam waren: Der Direktor des Landesschulrates (als Jurist), der zuständige Landesschulinspektor, der Vertreter der Landesschulratsvizepräsidentin (SPÖ) sowie jeweils ein Personalvertreter der ÖVP und der FPÖ. Die Gesprächsführung mit den Kandidaten wurde durch eine externe Personalberaterin durchgeführt. Als Zuhörer waren von der HAK/HAS Tulln anwesend: Drei Professoren sowie ein Eltern- und Schülervertreter. Das Hearing besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil haben die Bewerber die Gelegenheit zur Selbstpräsentation der Motive und Ziele ihrer Bewerbung (dabei dürfen mitgebrachte Stichwortzettel verwendet werden). Im zweiten Teil müssen die Bewerber erklären, wie sie in verschiedenen herausfordernden Situationen als Schulleiter agieren würden (diese Fragen bzw. Situationen sind in mehreren verschlossenen Kuverts vorbereitet und müssen von den Bewerbern gezogen werden).

 

6) In einem Zeitungsartikel vom 15.7.2009  steht - ohne Angabe der Quelle - ein Zitat wonach "sich die Lehrer mehrheitlich gegen Eisenschenk ausgesprochen" hätten.

Diese Behauptung ist falsch!

 

7) Die wichtigste Frage ausnahmsweise zum Schluss: Was waren die Motive meiner Bewerbung?

Die Institution Schule halte ich für die wichtigste außerfamiliäre Instanz im Leben eines jeden Menschen. Durch die Institution Schule wird den Schülerinnen und Schülern Fachwissen und ein hohes Maß an sozialer Kompetenz vermittelt.  Das schafft nicht nur höhere Bildungsschancen für Kinder sondern auch eine stabile Gesellschaft.
 
Es ist mein klares Ziel, dass die Absolventinnen und Absolventen der Handelsakademie und Handelsschule Tulln aufgrund ihrer Ausbildung von der Wirtschaft auch in Zukunft stark nachgefragt sein werden. Es ist mir ein persönliches Anliegen, dass diese Schule – an der ich selbst maturiert habe – ihren guten Ruf nicht nur behält sondern weiter ausbaut. Ich halte die Position eines Direktors für eine besondere Chance die Weiterentwicklung einer Schule zu gestalten. Ich habe großes Interesse daran, Impulse zu setzen und daraus entstehende Projekte erfolgreich durchzuführen. Die Leitung einer Schule ist eine spannende und verantwortungsvolle Aufgabe, die ein hohes Maß an Herausforderungen in sich birgt, das mit Respekt und positiver Zwischenmenschlichkeit angenommen gehört.
 
Hinsichtlich meiner beruflichen Entwicklung war meine Bewerbung aus verschiedenen Blickwinkeln motiviert zu verstehen.
·         Als ehemaliger Wirtschaftsjournalist weiß ich, dass die Öffentlichkeitsarbeit für Schulen und für den Berufstand des Lehrers sinnvoll einsetzbar ist. Um dem öffentlichen Ansehen des Lehrberufes eine neue wichtige Bedeutung zu geben, halte ich an der Meinung fest, dass er einer der prägendsten Tätigkeiten unserer Gesellschaft ist.
·         In der Funktion als Vizebürgermeister bzw. Finanzstadtrates der Stadtgemeinde Tulln sind mir die Anliegen des Schulerhalters und der Wunsch nach effizientem Einsatz der vorhandenen Mittel ein persönliches Anliegen.
·         Als ehemaliges Mitglied des Unterrichtsausschusses im Parlament lernte ich viele Aspekte des gesamtösterreichischen Schulsystems kennen, die mich immer wieder in meinem Anliegen bestätigen, sich für eine effiziente Weiterentwicklung im Bereich Bildung einzusetzen. Somit setzt sich mit dieser Bewerbung für den Posten eines Direktors ein seit langem eingeschlagener beruflicher Weg fort, um aktiv am Bildungswesen teilzunehmen.
 
Die Anforderungen zur Führung und Betreuung von mehr als 500 Schülerinnen und Schülern sowie eines anspruchsvollen Lehrerteams ist eine weitere kommunikative Ebene, auf der ich meine gewonnenen Erfahrungen aus Wirtschaft und Politik zum Wohle aller einsetzen kann.
 
Ich möchte mich in Zukunft zu einem Schulleiter hinentwickeln, der die Lehrerschaft an der HAK/HAS-Tulln in ihrem Beruf bekräftigt, hohe Leistungen zu erbringen und eine große Befriedigung in ihrem Beruf zu erleben – ganz im Sinne einer pädagogischen Schul- und Unterrichtsentwicklung, sowie durch eine individuelle respektvolle Betreuung aller Schülerinnen und Schüler das Potential jedes Einzelnen zur Entfaltung zu bringen.