Jugend gibt Impulse zur Stadtentwicklung

16. Mai. 2012

600 Schüler aus 5 Tullner Schulen (HAK, HLW, Haupt- bzw. Neue Mittelschulen) haben in den letzten Monaten mit der Simulation „ecopolicy“ vernetztes Denken geübt bzw. gelernt. Die engagiertesten 27 Schüler konnten diese Fähigkeit bereits für die Bearbeitung konkreter jugendrelevanter Fragestellungen im Rahmen des SensiMod-Workshops in der Praxis anwenden: Behandelt wurden u.a. das Freizeitangebot für Jugendliche, die Attraktivität Tullns im Jahr 2022 und die Anforderungen an eine attraktive Schule. „Es hat uns gefreut, dass wir bei so ernsten Themen mitsprechen durften – das war kein Spiel, sondern Realität“, so Teresa Kugler, Schülerin der HLW Tulln, über das große Engagement der Jugendlichen beim Workshop. Diese Beteiligung der Schüler an Entscheidungen für die Stadt Tulln ist ein Teil der Syntegration, die seit Dezember 2011 in Tulln läuft.

Die Tullner Jugendlichen haben als erste Schüler in ganz Österreich mit diesem Modell gearbeitet. Die entwickelten Vorschläge nehmen wir zu 100% ernst und prüfen deren Umsetzung. Aber mindestens genauso wichtig ist für mich: Die Jugendlichen haben sich engagiert und dabei gelernt, dass man Herausforderungen nicht mit eindimensionaler Argumentation meistern kann, sondern indem man Zusammenhänge versteht. Das ist eine Fähigkeit, die für ihr gesamtes weiteres Leben von Bedeutung ist.

Für eine attraktivere Abendgestaltung in Tulln nannten die Jugendlichen ein vielfältiges Angebot als wichtigen Faktor, dazu zählten sie ein größeres Kino, eine leicht erreichbare Diskothek sowie eine Billard oder Bowling-Bar. Bessere Infrastruktur wie Nacht-Züge und ein Clubbing-Bus durch die Stadt und zur Messe Tulln waren für die Jugendlichen ebenfalls wichtig. Für das Jahr 2022 forderten sie in einem Appell an die Politik noch vielfältigere Ausbildungsmöglichkeiten, weiterhin Unterstützung für sozial schwache Familien, kompetente Kinderbetreuung und günstige öffentliche Verkehrsmittel sowie Wohnmöglichkeiten. Ein Wunsch für die Gegenwart betrifft öffentliche Sportplätze: Die Jugendlichen wünschen sich Aufsichtspersonen, die ein Auge auf den Platz haben und bei Problemen einschreiten sowie bessere Qualität der Anlagen. Für die Umsetzung ihrer Vorschläge sind die Jugendlichen bereit, auch selbst einen Beitrag zu leisten: Clubbing-Bus und Betreuungspersonen sollen durch Ticketpreise bzw. freie Spenden bezahlt werden. Auch für die Ordnung und Sauberkeit der Sportplätze möchten sich die Schüler selbst stärker aktiv werden. Engagement war ein wichtiges Stichwort: Auch in der Schule wünschen sie die Jugendlichen mehr Mitsprache und Verantwortung.

Es ging beim Workshop nicht nur um die Projekte an sich, wie Manuel Kerndler, Schüler der HLW, deutlich macht: „Wir haben gelernt, dass man schwierige Probleme strategisch angehen muss statt einfach irgendwelche Lösungsvorschläge zu machen“. An den zwei intensiven Workshop-Tagen haben die Jugendlichen in engem Teamwork zunächst relevante Einflussfaktoren definiert, dann deren Zusammenhänge genau evaluiert und erst daraufhin ihre Vorschläge formuliert. Dadurch wurden bei allen Themen Vor- und Nachteile besprochen, positive und negative Begleitwirkungen diskutiert und gerade von Jugendlichen oft vernachlässigte Bereiche, wie die Finanzierung der Projekte, mitgedacht.