Vademekum für Politiker

14. Mär. 2008

Als ich Herrn Professor Josef Tasler das letzte Mal sah, war ich einmal mehr vom Wissen und vom scharfen Geist des 93 Jahre alten Mannes fasziniert. "Als ich jünger war, habe ich meinen Körper durch Training fit gehalten, jetzt trainiert mein Geist den Körper", hat er zu mir gesagt. Prof. Tasler hat sich im hohen Alter nie dem Schicksal ergeben und auf den Tod gewartet. Im Gegenteil: Er befand sich im Hier und im Jetzt, bis zuletzt verfolgte er genau die Entwicklungen in der Stadt. Ein wenig gefürchtet war er, denn "der Tasler" sparte nie mit Kritik, Rang und Namen interessierten ihn wenig. Auch zu sich selbst war er streng, in einer für ihn sehr schmerzlichen Situation: "Wenn es auch noch so hart ist, es lässt sich nicht ändern und es muss weiter gehen."

 

Prof. Tasler hat mich in den letzten Jahren mehrmals zu sich in die Buchingerstraße gerufen bzw. angerufen um sich zu informieren. Ich habe gerne mit ihm geredet, nicht zuletzt weil ich dabei sehr viel gelernt habe. Allein sein Wohnzimmer war imposant: An den Wänden gaben unzählige Bilder, von ihm selbst gemalt, und seine Leitsätze (siehe auch jenen, der auf der Parte zu lesen ist) über seiner vielfältigen Persönlichkeit eindrucksvoll Auskunft. Oft kam der Deutsch-Professor bei ihm durch. Ich werde nie vergessen, dass er einmal, als wir gerade über die Verantwortung zwischen den Generationen sprachen, plötzlich ganz laut wurde um Goethe zu zitieren: "Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!" Ich habe diesen Satz aus keinem anderen Mund so eindrucksvoll gehört.

Besonders hat mich gefreut, dass mir Prof. Tasler den "Vademekum für Parlamentarier" im September 2007 gewidmet hat (siehe eingescantes Original unten). Dieser Leitfaden ist etwas sehr Gescheites!

Lieber weiser Freund, herzlichen Dank für Alles,  ich hab dich bewundert und viel von dir gelernt - ich werde dich mit größtem Respekt stets in Erinnerung behalten!